Mission Manifest

Fulminanter Start ins neue Jahr 2018! Auf der MEHR!-Konferenz des Gebetshauses Augsburg passiert so etwas wie die „Augsburger Erweckung 2018“. Über 10.000 Leute aus der mittleren und jüngeren Generation, aber auch alte Menschen, die für Jesus brennen, werden Zeugen einer Kehrtwende, die Katholiken in ihrer Gemeindearbeit (Pastoral) schon längst hätten vollziehen sollen. Davon träume ich (Joel 2, 28) seit 2014, dem Eintritt aus der Berufstätigkeit als Gemeindereferent in die 3. Lebensphase, die ich hier als Blogger dokumentiere, und die mich als Katholik in die Mitarbeit in einer evangelikal-charismatischen Gemeinde des [Mülheimer Verbands] geführt hat, denn kath. Gemeinden mit einem missionarischen Profil in meiner Stadt waren nicht zu finden – hoffentlich nicht mehr lange!

Wenn man Zeitzeugen über die Anfänge der Pfingstbewegung in Deutschland in der „Mülheimer Erweckung“ der Jahre ab 1905 gelesen hat, kommt einem das Geschehen vom Abend des 05. Januars 2018 in Augsburg wie „Mülheimer Erweckung 4.0″ vor. Die damaligen Gründer, die landeskirchlichen Pastoren Martin Girkon und Jonathan Paul, würden sich die Augen reiben – aber ich bin mir sicher, dass sie aus ihrem gegenwärtigen Status heraus nicht unbeteiligt sind…

Um es gleich vorweg zu sagen: Katholiken wollen und werden die Freikirchen nicht unterwandern! Es ist genau umgekehrt: Die weltweite Pfingstbewegung ist vor 50 Jahren in die kath. Kirche hinübergeschwappt, und es gibt besonders bei uns in Deutschland genug Katholiken, die von einer persönlichen Begegnung mit dem lebendigen Christus, von ganzheitlicher Spiritualität mit „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ (GS 1) nichts wissen wollen und lieber die Sekten-Schublade dafür aufmachen. Es geht um Jesus und nicht um unsere dogmatischen und kirchenstrukturellen Profile – ohne jedes Ja-Aber, „ohne Beschränkungen und Ängste“ (EG 33)!

Da habe ich nun vor Weihnachten selber versucht, ein „Manifest“ einer evangelisierenden Kirche über alle Konfessionsgrenzen hinweg zu entwerfen, in 7 Punkten, und nun machen das wichtige Führungspersönlichkeiten aus meiner „bisherigen Firma“ in 10 Thesen und laden dazu die 10.000 bei der MEHR!-Konferenz 2018 und die weiteren Tausende, die per Livestream zu Hause oder wie in unserer Gemeinde als Gruppe mit dabei sind, zum Mitmachen ein!

Hier ist das Manifest: [http://missionmanifest.online]. Der renommierte Herder-Verlag hat das Buch dazu herausgebracht: J. Hartl/K. Wallner OCist/B. Meusel: Mission Manifest – 10 Thesen für das Comeback der Kirche, Freiburg (Herder) 2018, ISBN 978-3-451-38147-8, 20,00 €

Was sollen wir nun tun?

  1. Kehrt um und glaubt an das Evangelium (Mk 1, 15). Ja, Du ganz persönlich. Das ist keine evangelikale Spitzfindigkeit, sondern wäre ur-katholisch, wenn man z.B. den Punkt 9 der Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils erst nehmen und endlich pastoralstrategisch umsetzen würde. Lade Jesus ein, Deinen Lebensweg zu begleiten und zu führen. Bitte Weggefährten um ihr Gebet für Dich und lass Dich von ihnen segnen.
  2. Macht in Euren Gemeinden aus dem Manifest Nägel mit Köpfen und sucht Euch Copiloten/innen, die auch vom Geist Gottes in diesen Thesen ergriffen sind.
  3. Gründet Eure Gemeinden innerhalb der neuen großen „Multisite-Pfarreien“ neu, aus lebendigen Steinen! Und wenn Ihr ausgebremst werdet: Lasst Euch nicht entmutigen. Dann gibt es jetzt (!) halt neue Gemeindeformate außerhalb sterbender Gemeinden („mixed economy of church-planting“). Wartet vor allem nicht auf die Hauptamtlichen (die „Klerikerfalle“). Mit Evangelii Gaudium (Nr. 120) von PP. Franziskus seid Ihr in bester Gesellschaft!

Der Rückzug in Gruppen zur Bewahrung charismatischer oder wie auch immer gearteter Frömmigkeit ist der falsche Weg.

Pfr. James Mallon, der auf der MEHR!-Konferenz den Weg seiner kanadischen Gemeinde vorgestellt und [ein Buch darüber veröffentlicht] hat, macht nahezu 100%-ig dieselben Erfahrungen, die ich seit meiner Neubekehrung als Kundschafter in einer evangelikal-charismatischen Gemeinde mache. Er analysiert das „Geheimnis wachsender Gemeinden“ genau wie ich mit vier Kennzeichen:

  1. Glaubenskurse [Alphakurs].
  2. Persönliche Entscheidung für Jesus Christus: „Jünger machen“ (Mt 28, 19).
  3. Jüngerschaftstraining in kleinen und mittelgroßen Gruppen (Haus- und Bibelkreise, Katechesegruppen zu den Sakramenten, diakonische Projekte, Arbeitsgruppen, Kleine Christliche Gemeinschaften). In meiner Netzwerkliste rechts gibt es dazu viele Methoden.
  4. Aus dieser Beziehungsstärke heraus erwachsen wiederum Alphakurs-Leiter/innen, Evangelisten/innen und missionarisch Engagierte, die dann neue Gruppen bilden. Multiplikatorenschulung ist nun wirklich nichts Neues…

Hier sein Interview [mit dem Medienmagazin „pro“]

Es ist das Konzept, das seit langem von freikirchlichen Gemeinden praktiziert wird und von dem die katholische Kirche unendlich viel lernen kann und es ab heute auch ganz handgreiflich tun wird. (Mission-Manifest These 6). Nicht umsonst entsteht neben dem Gebetshaus Augsburg das Millionenprojekt einer Evangelisten-Schule (ohne Kirchensteuermittel!). Überhaupt kam mir James Mallon „wie ein Bill Hybels mit Priesterkragen“ vor, und er verschweigt nicht, dass seine Ideen viel mit [Willow-Creek], der anglikanischen [Holy Trinity Brompton-Church] in London als „Wiege der Alphakurse“ und mit Rick Warren von der [Saddleback-Church] zu tun haben. Alles das steht schon seit langem auch im Profil meiner Gemeinde.

Es gibt übrigens auch ein deutsches Modell, nämlich St. Michael in Neuhof bei Fulda, das man [bei Youtube] kennenlernen kann. Soviel zum oft gehörten Einwand „schön, aber sowas geht bei uns nicht“. Jesus hat mit drei Leuten angefangen (Andreas, Simon Petrus, Johannes) und schickt seine Jünger (die sich vorher zu ihm bekehrt haben!) zu zweit los – jeder Manager weiß, dass am Start eines Change-Management-Prozesses ein Leiter und sein Copilot steht. Es ist ein unternehmerisches und damit auch missionarisches Grundprinzip: Wenn es irgendwo nicht funktioniert, liegt es am mangelnden Wollen der dafür Verantwortlichen!

Erweckung fängt also mit der Bekehrung der Verantwortlichen an. Bitte: Das sind wir alle! Alle Christen.

P.S. 16:30 Uhr: Wie krass ist das denn?
Nach dem Vortrag von Vishal Mangalwadi sind die Livestream-Teilnehmer der MEHR!-Konferenz in unserer Gemeinde erstmal nach Hause gefahren. Mitten in unserem Gottesdienstraum stehe ich nun, allein. Das Abendmahlsgeschirr für den morgigen Sonntagsgottesdienst steht schon bereit. Morgen werde ich Begrüßungsdienst haben und unseren Info-Point besetzen. Der Beamer läuft einfach weiter und zeigt die katholische Eucharistiefeier der MEHR!-Konferenz… So etwas hat es hier bestimmt noch nie gegeben.


Auf dem Foto: Die 1. Lesung vom „Hochfest der Erscheinung des Herrn“ (Jes 60, 1-6) werde ich nachher als Domchorsänger noch einmal hören. Hinten im Mehrzwecksaal feiert die jüdisch-messianische Gemeinde (die sich gerade als e.V. formiert hat) ihre Sabbat-Versammlung. Der Prediger legt die neue Jahreslosung aus: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst! (Offb 21,6) „Wer zur Quelle gelangen will, muss gegen den Strom schwimmen“ sagt er… Irgendwie kommt mir das bekannt vor.


Werde Licht, Jerusalem, halleluja!
Dein Licht ist uns erschienen, halleluja!

Schabbat Schalom!

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