Mission Dilemma

Foto: Comeback der Kirche? 1961 predigt Pater Leppich in Wien vor 20.000 Zuhörern (Quelle: picture alliance/dpa)

Gegenwärtig schaut es so aus, als ob das [Mission-Manifest] (MM) 2018 der MEHR!-Konferenz in Augsburg eine konfessionalistische Insellösung ist. Ich hoffe inständig, dass es nicht nur ein Strohfeuer war. Aber: Die Unterzeichner verpflichten sich, im kommenden Jahr eine missionale Initiative zu starten oder sich einer anzuschließen. Leider haben nur wenige ihren Ort angegeben, sodass es sehr schwierig ist, sich miteinander zu vernetzen. Für meine Stadt sind es eine Handvoll Leute in einer sehr illustren Zusammenstellung. Ob daraus eine „Kehrtwende zur Evangelisierung“ entstehen kann, wie PP. Franziskus sich das [in Evangelii Gaudium] vorstellt?

Den Bedenkenträgern der Mainstream-Theologie mag ich nicht zustimmen. „„Zu wenig theologischer Tiefgang bei der Mehr-Konferenz““ heißt es beim Münchener Religionssoziologen Armin Nassehl [laut domradio/KNA], wobei sein Fazit „niederschwellig“ sicher richtig ist, und er das „dissidente Kirchlichkeit“ nennt – ja, wir Grenzgänger (und Brückenbauer!) zwischen den Konfessionen sind „Dissidenten“! Immerhin waren es Jesus und seine Apostel auch. Dieses Risiko nehme ich gerne auf mich, weil ich das als „normaler Laie“ auch kann.

Schade, dass ein „charismatisches“ Veranstaltungs- und Pastoraltheologie-Format bei vielen (Hauptamtlichen) nicht ankommt und sie das Grundanliegen nicht wahrnehmen und verstehen (können oder wollen – selbstverständlich liegt das auch an uns, an unserer Sprache, an der Art unseres missionalen Auftretens): „Die „Mehr!“: Das sind kurz gesagt Massen, die zu Gebet und Gesang ihre Arme in der Luft schwenken – inmitten einer Ton- und Lichtershow, die professionell wirkt wie bei einer Fernsehgala.“ Ich denke, stärker kann man den missionalen Grundauftrag aller Kirchen nicht missverstehen! In der Berichterstattung von domradio/KNA wird in einem „Erklärungs-Kasten“ zum Mission-Manifest erläutert, dass es ja in der kath. Kirche die Woche der Weltmission und den Weltmissionssonntag im Oktober gebe, und zwischen den Zeilen lese ich, dass so etwas wie das Mission-Manifest daher eigentlich ziemlich überflüssig ist… Dankenswerterweise haben die kath. Kirchenzeitungen von 12 nordostdeutschen Bistümern in der Nummer 2/2018 auf S. 3 eine [ausführliche Stellungnahme zu Mission-Manifest] veröffentlicht.

Und hier liegt auch schon „der Hase im Pfeffer“: Christian Hennecke, der „Erfinder“ der [Kirche der Beteiligung] kritisiert zu recht den konfessionell-süddeutsch-österreichischen Tunnelblick der sechs Protagonisten des Mission-Manifests [in seinem Blog]. Unter Federführung des „Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung“ [IEEG] der Uni Greifswald gibt es schon seit Jahren einen bundesweiten missionarischen Aufbruch, der zum Glück auch noch multikonfessionell ist. Dabei geht es nicht nur um verbale Wertschätzung außerkatholischer Initiativen, sondern um echte Kooperation, um gemeinsames Evangelisieren. PP. Franziskus hat sich in den [Imperativen von Lund] (Nr. 4+5) dazu verpflichtet, und der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz hat zum Jahreswechsel die Katholiken zum Mitmachen eingeladen [These 6]. Haben sie das überhaupt vernommen, und wollen sie es auch lokal umsetzen? Gemeinsam evangelisieren!

Das Mission-Manifest hat also das Rad nicht neu erfunden – gleichwohl ist es für die Zielgruppe, und das ist die katholische Kirche, ungeheuer wichtig. So wichtig, dass nicht wenige evangelische und freikirchliche Aktivisten das Manifest unterschrieben haben, weil sie es auch für ihren Kontext als bedeutsam empfinden. Wie allerdings freikirchliche Pastoren ein Manifest unterschreiben können, das sich nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf deren Auslegung im kath. Katechismus beruft, fragt Prof. Johannes Reimer von der Theol. Hochschule Ewersbach der FEG in „Christsein heute“ (1/2018 Seite 6) an und möchte das Charisma der Unterscheidung der Geister verantwortungsvoller angewendet wissen.

Es kann bei der Sorge um die Zukunft der gesamten Kirche weltweit aber nicht um konfessionelle Rechthaberei gehen, sondern es muss um Jesus Christus gehen! Und daher muss Kritik an der MEHR!-Konferenz und ähnlicher Formate nicht einfach nur distanzierend oder gar ablehnend sein, sondern konstruktiv und kooperativ, und wenn es irgend geht nicht nur mit Visionen, sondern auch mit Strategien, die uns alle weiter führen. Insofern ist es gut, dass Kirche, Konfessionen in Bewegung geraten und es mutige Leute gibt, die Grenzen überschreiten. Es ist gut, dass Gebets- und Aktionsgruppen Grenzen auch sprengen und sich nicht mit dem zufrieden geben, was halt immer schon so war. Ein „Comeback“ der Kirche? Welcher Kirche? Nur der katholischen? Etwa der Kirche vergangener Jahrhunderte?

Die Kirche der Zukunft wird biblisch, mystisch, charismatisch, evangelisch und katholisch sein –

das sagen „Promi-Katholiken“ von Karl Rahner über Heribert Mühlen bis Christian Hennecke, das sagen Insider wie [John L. Allen] oder [James Mallon] oder ähnlich sogar der „externe“ Michel Houellebecq im Spiegel-Interview [43/2017].

Was wir also brauchen, ist kein „Comeback der Kirche“, jedenfalls nicht im Sinne längst überholter Konfessionaliät, sondern wir brauchen um der Glaubwürdigkeit des kirchl. Grundauftrags (KKK 4: „Jünger machen“!) willen jetzt einen weit größeren Horizont für das Mission-Manifest:

  1. Wir brauchen nicht nur einen innerkatholischen Schulterschluss missionaler Initiativen und Initiatoren wie 2018 in Augsburg, sondern auch einen Schulterschluss katholischer Bischöfe und Leiter mit solchen, die 2017 bei der MEHR! für „[Europe shall be saved]“ auf der Bühne standen: Tobias Teichen, Markus Wenz, Andreas Boppart, Thomas Enns, Leo Bigger, Johannes Hartl [Ich habe das schon voriges Jahr geträumt], denn PP. Franziskus hat uns das vorgemacht:

    Mein Lieblingsbild: PP. Franziskus mit P. Giovanni Traettino (Pfingstgemeinde Caserta) inmitten Delegierter der Weltweiten Evangelischen Allianz am 15.05.2015 im Vatikan.
  2. Mission-Manifest braucht umgehend eine Vernetzung mit den schon z.T. lange bestehenden missionalen Initiativen im Nordwesten Deutschlands (siehe meine Netzwerk-Liste): fresh-expressions of church, Kirche hoch zwei, Kundschafternetzwerk Aachen, vor allem mit Willow-Creek, (bei deren Leitungskonferenz 2016 in Hannover Johannes Hartl sogar einer der geistlichen Impulsgeber war) und mit dynamissio, der landeskirchl.-freikirchl. „Koalition für Evangelisation“, der sich Katholiken unbedingt anschließen sollten! Und die missionalen Inititativen brauchen mehr Unbefangenheit im Umgang mit der weltweiten Pfingst- bzw. der charismatischen Bewegung.
  3. Auf der Bühne der MEHR!Konferenz 2020 (2019 ist Raum für regionale „Mehr“-Konferenzen…) sollten also zusammen mit kath. Leitern und Bischöfen und den freikirchl. Freunden von 2017 auch die Protagonisten missionaler Ansätze aus den nördlichen Regionen stehen: Prof. Michael Herbst, GV-Rat Christian Hennecke, Prof. Matthias Sellmann, Florian Sobetzko, Ulrich Eggers und überhaupt die [AMG] und [K.A.M.P.]! Es ist mir unverständlich, warum die sechs Leiter von Mission-Manifest dies bei der Planung ihrer Aktion außer acht gelassen haben, und das angesichts der Vernetzungen, welche die Gebetshausbewegung in Deutschland multikonfessionell hat! (siehe die MM-These 6 von Johannes Hartl über die Wirkung der Freikirchen in die kath. Kirche hinein.) Das bedeutet auch, dass unter „„Best Practice““ auf der [MM-Homepage] schnellstens die schon vorhandenen missionalen Initiativen erscheinen sollten, auch was z.B. das [Bonifatiuswerk dazu] kreiert (und finanziert). Es kann nicht sein, dass unter „„Gebetskreise““ nur die Loretto-Bewegung erscheint, die vor allem in Österreich verbreitet ist. Etliche der „charismatischen“ Gemeinschaften scheinen die Charismatische Erneuerung als Forum für eine rückwärtsgewandte Kirchlichkeit und Spiritualität zu benutzen. Hier ist also noch einiges an Aktualisierung und Horizonterweiterung zu leisten. Ich bin gespannt, ob das bald auf der MM-Homepage zu sehen sein wird!
  4. Wird MM bzw. der Herder-Verlag mit MM auf dem Katholikentag 2018 in Münster vertreten sein? Beim Willow-Creek-Leitungskongress 2018 in Dortmund waren sie es nicht…

Was wir brauchen, ist Mitverantwortung aller Kirchenmitglieder (Vision), Gestaltungswille (Strategie) und Anpacken multikonfessioneller missionaler Projekte (Praxistransfer). Nur so ist die neue Kirche der Zukunft in der Zivilgesellschaft glaubwürdig, von der wir träumen.

„Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung (span: „conversión“ – Bekehrung, Kehrtwende) erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet.“ (PP. Franziskus in Evangelii Gaudium Nr. 27)

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